Eisenmangel-AD(H)S

In den letzten Jahren hat ein Beschwerdebild immer mehr an Bedeutung erlang, dem man den kompliziert klingenden Namen Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) ohne bzw. mit Hyperaktivität (ADHS) gab (künftig AD(H)S genannt). Immer mehr Kinder werden mit dem Verdacht, an diesem Krankheitsbild zu leien, untersucht, in das Schubfach dieser Diagnose gesteckt und mit dem stimulierenden und Konzentrationsfördernden Psychopharmakon Ritalin „behandelt“. Und das in immer jüngeren Jahren.

Es gibt zwar Kriterien und Richtinien für die Diagnostizierung eines AD(H)S, allerdings mangelt es – ob der wachsenen Anzahl verdächtiger junger Patienten – an Spezialisten, die sich im Thema genügend auskennen. Für eine seriöse Diagnostik dieses Beschwerdebildes ist jedoch eine Zusammenarbeit zwischen Fachleiten der verschiedensten Spezialdisziplinen nicht nur wünschenswert, sondern geradezu unumgänglich. Denn der Prozess dieser Störung ist oft nicht nur langwierig, sondern überfordert in vielen Fällen den behandelnden Arzt mit der Konsequenz, dass mitunter schon vor einer exakten Diagnosesicherung Ritalin gegeben wird. In diesem Präparat sieht man meist den einzigen rettenden Strohhalm, um zu erreichen, dass es dem Kind „endlich besser geht“, was oft nur bedeutet, dass Eltern und Lehrer mit ihm besser „zurechtkommen“. Nur ganz selten wird von den Ärzten bisher jedoch die Frage gestellt, ob bei Kindern mit einem AD(H)S ein Eisenmangel vorliegen könnte. Dies ist nach unseren Erfahrungen aber bei fast allen dieser Kinder der Fall.

Eisenmangel kann zu Konzentrationsstörungen und damit zu einem Defizit an Aufmerksamkeit führen. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache sollten Kinder mit AD(H)S, wenn ihre Eisenspeicher leer sind, zunächst einmal und in erster Linie keine Psychopharmaka erhalten, sondern Eisen. Bei den meisten Kindern mit einem AD(H)S iegt der Ferritinwert unter 50 ng/ml (Beckman-Methode), also im SIHO-Risikobereich.

Im Vergleich zu den oft mehrmonatigen aufwändigen Abklärungen bei einem vermuteten AD(H)S ist die Dauer einer – diagnostisch wie therapeutisch relevanten – Behandlung mit Eisen recht kurz. Mehr als drei bis vier Wochen werden in der Regel dafür nicht benötigt. Nach der Auffüllung der ehemals leeren Eisenspeicher sollte der Zustand des Kindes in relativ kurzem Abstand zur Therapie neu beurteilt werden. Meistens präsentiert sich bereits nach wenigen Monaten ein anderes Bild. Dann kann sich die Symptomatik spürbar verbessert haben. Zuverlässige statistische Zahlen liegen zwar noch nicht vor, die Erfahrungen besagen indes, dass die Erfolgsquote bei über 50 % liegt. Es existieren wissenschaftliche Studien, welche die Wirksamkeit einer Eisenbehandlung bei AD(H)S-Kindern mit leeren Eisenspeichern nachweisen (1,2,3). Interessant ist auch folgende Beobachtung der ETH Zürich (Schweizerische Technische Hochschule): Schulkinder in Marokko, die 2007 mit Eisen angereichertes Kochsalz erhielten, hatten bessere Schulnoten als ihre Kameraden (4).

Angesichts dessen ist es kaum zu verantworten, wenn Lehrbücher den Kinderärzten „beibringen“, dass bei einjährigen Kindern ein Ferritinwert von 1 ng/ml genüge, was doch praktisch gleich Null ist (5).

In jüngster Zeit gewinnt das Thema immer mehr an Bedeutung. So wurde Ende Februar 2009 im Schweizer „Tagesanzeiger“ gemeldet, dass beispielsweise ADHS-Selbsthilfegruppen den Verkauf von Ritalin ankurbeln sollen. Die Zeitung spricht in diesem Zusammenhang von einer Umgehung des Werbeverbotes durch die Medikamentenhersteller. Ritalin wird heute achtmal mehr verkauft als vor zehn Jahren. Politiker fordern jetzt eine Untersuchung. Dieselbe Zeitung berichtet, dass Ritalin eine kokainartige Wirkung habe und diese Pille von AD(H)S-Kindern immer häufiger an Junkies verkauft werde.

AD(H)S-Symptome bei Kindern mit einem Ferritinwert unter 75 ng/ml verbessern sich bei den meisten, wenn dieser Wert künftig zwischen 200-100 ng/ml liegt.

Diese litten offensichtlich an einem Eisenmangel-AD(H)S

Weitere Hintergrund-Informationen u. a. auf www.guteschulnoten.org

 

1) Relationship of Ferritin to Symptom Ratings Children with Attention Deficit Hyperactivity Disorder: Effect of Comorbidity Pinar Oner, Child Psychiatry Department, Ataturk Hospital, Ankara, Turkey
2) Effectiveness of Iron Supplementation in a Young Child With Attention – Defciency / Hyperactivity Disorder Eric Konofal, Service de Psychopathologie de l’Enfant et de l’Adolescent,Hôpital Robert Debré, Paris, France; American Academy of Pediatrics 2005;116;e732-e734
3) Iron Treatment in Children with Attention Deficit Hyperactivity Disorder Jonathan Sever, Tel Aviv University Neuropsychobiology 1997;35;178-180
4) Salz mit Eisen http://archiv.ethlife.ethz.ch/articles/tages/fortifiedrice.html
5) Labor-Lehrbuch